Von vornehmer Blässe zur Sonnenbräune: Wie sich Schönheitsideale verändern
Als blasse Haut das Statussymbol war
Schon in der Mythologie vieler Kulturen spielte die Sonne eine zentrale Rolle. Sie galt als Quelle des Lebens, der Energie und des Lichts. Götter, wie der ägyptische Sonnengott Ra oder Gottheiten der Maya, wurden mit dieser strahlenden, lichtvollen Aura in Verbindung gebracht.
Vor diesem kulturellen Hintergrund entwickelte sich über Jahrhunderte hinweg die Vorstellung, dass helle, blasse Haut besonders vornehm sei, da sie der lichten Sonnenaura der Götter sehr ähnlich ist. Die herrschenden Klassen legten besonders viel Wert auf helle, blasse Haut, was als Zeichen von Wohlstand und sozialem Status galt. Wer zur oberen Gesellschaftsschicht gehörte, arbeitete nicht im Freien und war daher weniger der Sonne ausgesetzt. Gebräunte Haut hingegen war typisch für Menschen, die bei jedem Wetter und jeder Jahreszeit draußen arbeiteten.
Um ihre helle Haut zu bewahren oder noch zu betonen, griff die wohlhabende Bevölkerung zu verschiedenen Mitteln: helle bis weiße Schminke, hochgeschlossene Kleidung und Sonnenschirm sollten die Haut vor der Sonne schützen. Blasse Haut wurde so zum sichtbaren Symbol für Reichtum und gesellschaftliche Stellung.
Der Wandel: Warum gebräunte Haut zum Trend wurde
Mit der Industrialisierung und den gesellschaftlichen Veränderungen im frühen 20. Jahrhundert verschob sich dieses Bild grundlegend. Immer mehr Menschen arbeiteten in Innenräumen wie Büros oder Fabriken. Dadurch hatten sie eher eine blasse Haut.
Gleichzeitig gewann Freizeit an Bedeutung: Reisen, Urlaube am Meer und mehr Zeit im Freien wurden für viele Menschen zugänglicher. Sonnenbräune entwickelte sich zum neuen Statussymbol, denn sie zeigte, dass man Zeit und Geld für Urlaub hatte. Zudem galt Sonnenlicht aufgrund der Vitamin-D-Bildung als gesundheitsfördernd.
Auch Trends spielten damals eine Rolle: Als Modeikone Coco Chanel in den 1920er Jahren gebräunt von der französischen Riviera zurückkehrte, setzte sie einen Modetrend. In den folgenden Jahrzehnten präsentierten sich Models in Modezeitschriften und Filmstars in Hollywood zunehmend mit gebräunter Haut oder einem sonnengebräunten Teint.
Damit änderte sich die Wertvorstellung grundlegend. Die Bräunung der Haut stand nun für Attraktivität, Gesundheit und Erfolg.
Die Schattenseite der Sonnenbräune
Mit dem neuen Schönheitsideal ging jedoch auch ein riskanter Umgang mit der Sonne einher. Gerade zu Beginn war wenig über die Gefahren der UV-Strahlung bekannt. Intensives und ungeschütztes Sonnenbaden gehörte für viele zu einem Urlaub oder einer gelungenen Freizeitunternehmung selbstverständlich dazu.
Um eine möglichst schnelle und tiefe Bräunung der Haut zu erreichen, nutzten Menschen Öle, spezielle Cremes oder sogar reflektierende Folien. Erst ab der Mitte des 20. Jahrhunderts rückten die gesundheitlichen Risiken stärker in den Fokus. In dieser Zeit begannen Aufklärungs-, Präventions- und Behandlungsmöglichkeiten. Es wurden auch die ersten Sonnencremes entwickelt, um die Haut vor UV-Strahlen zu schützen – wenn auch nur mit einem (aus heutiger Sicht) sehr niedrigen UV-Schutz.
Sonnenbräune heute: Warum gebräunte Haut weiterhin beliebt ist
Auch heute wünschen sich viele Menschen eine gebräunte, „sonnengeküsste“ Haut. Laut einer IKW-Umfrage bevorzugen 42 Prozent der Deutschen eine leicht gebräunte Haut – vor allem, weil sie sich damit schöner fühlen (45 Prozent). Fast ein Viertel findet, dass das Sommer-Outfit mit gebräunter Haut noch besser zur Geltung kommt.
Um von blasser Haut zu einem gebräunten Teint zu gelangen, setzt die Hälfte der Befragten auf das Sonnenbaden. Elf Prozent greifen zu Selbstbräunern und acht Prozent nutzen das Solarium.
Gleichzeitig zeigt sich ein Spannungsfeld: Viele wissen um die Risiken, nehmen aber trotzdem bewusst Defizite beim Sonnenschutz in Kauf. Häufig wird Sonnencreme gar nicht oder bei 23 Prozent manchmal mit einem niedrigeren Lichtschutzfaktor verwendet.
Der Wunsch nach gebräunter Haut ist also nach wie vor geblieben – auch wenn das Bewusstsein für die Auswirkungen von UV-Strahlung heute deutlich größer ist als noch vor einigen Jahrzehnten.

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